Ahoi, ich bin es, der Reviewer Deines Misstrauens!

Letztens, ich saß wieder einmal – griesgrämig und chronisch schlecht gelaunt – in der Kajüte und wagte einen Blick in die Warteschlange des Nordens.
Mittendrin befand sich ein Cache, der mich am Abend mehr beschäftigen würde, als ich zunächst gedacht hätte.

Es war so ein Fall, der in den Guidelines nicht beschrieben ist, Wahrscheinlich weil er einfach so selten vorkommt. Aber Groundspeak hatte mir vor einiger Zeit in einer Flaschenpost mitgeteilt, dass ich solche Cacheideen nicht veröffentlichen darf.

Also informierte ich den Owner darüber, dass ich leider nicht befugt sei, diesen Cache zu freizugeben, aber natürlich wurde er informiert, warum ich es nicht darf.

Die Cachebeschreibung wurde auch ein wenig angepasst, aber vom Grundsatz blieb es unverändert. Ich teilte ihm nochmals mit, dass ich keine entscheidende Veränderung sehen würde und ich den Cache so nicht freischalten könne.

Dann geschah es! Nur wenige Minuten später trudelte die Reviewer Note herein: „Kann es sein, dass Du ein persönliches Problem mit mir hast?“

Wow! Da hat mich jemand durchschaut. Er muss gewusst haben, dass ich griesgrämig und chronisch schlecht gelaunt war und es nur auf Ihn abgesehen hatte! Ich fühlte mich ertappt und überlegte schnell, wie ich aus der Nummer wieder heraus kommen soll. Da kam mir eine Idee. Ich schrieb Ihm, dass ich Ihn ja persönlich gar nicht kennen würde und somit auch gar nichts gegen Ihn haben könnte.

Aber er antwortete wiederum genauso schnell wie ich und setzte noch einmal nach: ich würde Ihn kennen, von früheren Unstimmigkeiten! Ich möge doch bitte die negative Abneigung gegen Ihn aus dem Spiel lassen und den Cache nun freischalten.

Verdammt! Wie sollte es nur weitergehen, mein Gemütszustand drohte aufzufliegen!
Also schnell die Notbremse ziehen: Cache archivieren und direkt an appeals@geocaching.com verweisen. Ruhe an Deck!

Aber die Stille war nicht von langer Dauer – es trudelte wieder eine Nachricht herein, offenbar als Zeichen des Trotzes: „Tztztz, immer noch der alte geblieben, peinlich :-D!“

Genau, das war ich – ich war immer noch der alte griesgrämige und chronisch schlecht gelaunte Pirat, der abends in seiner Kajüte sitzt und nur darauf wartet, wieder ein unschuldiges Opfer zu suchen, um seine Cachelistings abzulehnen. Einfach so – weil ich es kann.

Aber es blieb nicht bei der trotzigen Antwort. Er wandte sich tatsächlich an Groundspeak (das fand ich gut!) und erfuhr von dort, dass ich – der griesgrämige und chronisch schlecht gelaunte Reviewer des Misstrauens – tatsächlich nicht die Befugnis habe, diesen Cache zu veröffentlichen und das Groundspeak ihn auch nicht veröffentlicht. Der Cache blieb im Archiv.

Ein Tag später: ich blickte wieder griesgrämig und chronisch schlecht gelaunt in die Warteschlange: da war er wieder, der Cache, der mich am Tag zuvor beschäftigte. Neu angemeldet, aber ohne den Stein des Anstosses – also guidelinekonform.

Ich ärgerte mich insgeheim, schließlich musste ich diesen Cache freigeben ohne auch nur einmal etwas dagegen sagen zu können. Ich bin mir nicht sicher, ob meine Taktik aufging, aber ich erhoffte mir, dass der Owner nun nicht mehr glaubte, dass ich etwas Persönliches gegen Ihn hatte – hoffentlich glückte es.

Und tatsächlich: ich fühle mich bestätigt, der Owner scheint mich nicht mehr als den Reviewer seines Misstrauens anzusehen. Denn heute nahm er an der Verlosung meiner beiden Reviewer-Coins teil. Und er darf natürlich auch gerne teilnehmen, denn ich habe ja nichts gegen Ihn. Überhaupt nicht, ich kenne Ihn ja noch nicht einmal.

10 Gedanken zu „Ahoi, ich bin es, der Reviewer Deines Misstrauens!

  1. Hehe, das bestätigt mir noch einmal den Respekt vor eurer Arbeit. Ehrlich, ich wäre ja sowas von ruhig bei so einer Sache, das ich mit Sicherheit der Reviewer mit der kürzesten Amtszeit sein würde. (IRONIE)

    Gruss
    Lutz

  2. Haloa!

    Sehr schön geschrieben. Das sind die Geschichten, die ich ich gerne lese – so schnell kann es gehen.

    Ist scheint heutzutage gängige Praxis zu sein, eine Gegebenheit sofort von der Sachebene auf die Gefühlsebene zu verschieben, wenn es nicht so läuft, wie man es gerne hätte. Das macht es doch so einfach, den Blick zu verklären und zu sagen: „Ich habe alles richtig gemacht, der andere mag mich nur nicht.“

    Schön, zu lesen, dass es nicht immer funktioniert. – Arrrrr!

    Viele Grüße
    TJ.

  3. Natürlich wäre es jetzt auch noch interessant zu wissen, welcher Fall nicht in den Guidelines geregelt ist, aber nicht freigeschalten werden darf.
    Denn dass der erwartungsvolle Owner bei der folgenden Absage eine gewisse Enttäuschung verspürt, ist ja durchaus verständlich – was manche Reaktionen natürlich dennoch nicht rechtfertigt.

  4. Kleiner Stein des Anstosses für die anderen Reviewer. Bei Dir ist bekannt, wer Du bist und Du schreibst über solche Fälle. Durch Deine Transparenz nimmst Du den Kritikern an Deiner Arbeit den Wind aus den Segeln. Es wird sich auf Stammtischen keine Stimmung gegen Dich aufschaukeln und Deine Entscheidungen sind nachvollziehbar.

  5. Ich kenne Dich nicht und hab auch persönlich nichts gegen Dich, aber Du bist mir einfach sympatisch – so wie Du schreibst ! (so wie Du bist wahrscheinlich auch )
    Ahoi !

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