Dann musst Du tun, was Du tun musst!

So begann eine E-Mail, die ich heute morgen in meinem E-Mail-Postfach fand. Und ich gebe zu, Sie hat mich geärgert. Sie ärgert mich deswegen, weil ich wieder einmal feststellen musste, dass es Geocacher ohne Unrechtsbewusstsein gibt.

Was war geschehen?
Seit rund vier Jahren besteht ein Cache an einer fragwürdigen Position, hoch über dem Erdboden auf einem Betriebsgelände einer Straßenmeisterei. Nun wurde bei diesem Cache ein „Needs-Archived“ von einer Sockenpuppe geloggt. Das verleiht der Situation einen gewissen Beigeschmack, aber immerhin ist der Benutzername wiederum so gestaltet, dass lokale Geocacher schnell erkennen, wer sich dahinter verbirgt.

Nun galt es also, den Sachverhalt zu klären. Von einer sofortigen Archivierung sehe ich in einem solchen Fall ab, um dem Owner die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern und auch, um Ihm zu ermöglichen, den Cache guidelinekonform zu gestalten. Der Cache wurde also deaktiviert und der Owner wurde gebeten sich bei mir zu melden.

Es sollte klar sein, dass ein Betriebsgelände, auch wenn es nicht eingezäunt ist, nicht automatisch jedermann zur Verfügung stehen. Und es sollte auch klar sein, dass sich Betriebseinrichtungen auf diesem Gelände nicht dazu eignen, als Geocache-Versteck herzuhalten, auch wenn diese noch so verlockend sind und einen Nervenkitzel versprechen. Ausnahme natürlich: es liegt eine Genehmigung vor.

Der Owner meldete sich. Doch statt Bereitschaft zu signalisieren, diese Angelegenheit einvernehmlich zu klären, begann die E-Mail mit dem bereits genannten Zitat: „Dann musst Du tun, was Du tun musst.“ Gemeint war die Archivierung. Aber wieso eigentlich Archivierung? Davon war doch bisher gar nicht die Rede!

Es begann das übliche Geschimpfe über die neuen Guidelines und das folglich alle LP-Caches, alle Caches in Wäldern, in Parkhäusern archiviert werden müssten. Und es sei sowieso alles in Privatbesitz. Das könnten wir Reviewer eh nicht kontrollieren, das wäre ja bei Abstandsproblemen schon nicht möglich. Er könnte da so aus dem Nähkästchen plaudern. Und die Sockenpuppe müsste man auch im Auge behalten. Weiterhin begann er mir als Reviewer die Frage zu stellen, ob denn meine versteckten Geocaches, besonders einer im Parkhaus guidelinekonform sei. (Nebenbei: ja, die Mitarbeiter wissen Bescheid!)

Er droht an, seine Konsequenzen daraus zu ziehen und keine Geocaches mehr zu verstecken; Geocaching geht ja sowieso den Bach runter.

Okay, es ist unbestritten, dass sich Geocaching in den letzten Jahren verändert hat, aber wo ist denn hier das Unrechtsbewusstsein? Es muss einem doch bereits beim Verstecken vor vier Jahren klar gewesen sein, dass es bei dem Cacheversteck Probleme geben kann. Das erst nach vier Jahren ein „Needs Archived“ geloggt wird, kann man nun auf verschiedene Weise deuten, aber deswegen ist doch der Cache nicht guidelinekonform!

Die Erweiterung der Guidelines resultiert doch genau aus diesem Fehlverhalten. Warum freut sich der Owner denn nicht, dass es hier vier Jahre geklappt hat – ohne Ärger und ohne Unfälle? Wen meint der Owner denn mit der Ankündigung, keine Caches mehr zu legen, zu bestrafen?

Der Betreiber des Betriebsgelände unterliegt einer Verkehrssicherungspflicht. Verunglückt nun jemand beim Suchen des Geocaches, dann wird sich der Betreiber ggf. verantworten müssen. Sicherlich sind solche Unfälle selten – aber Sie häufen sich, wie man den Presseberichten entnehmen kann (Links zu Berichten dürfen gerne in die Kommentare!).

Aber stellen wir uns doch einmal ein anderes Szenario vor: ein Geocacher wird erwischt, wie er dort herumklettert und der Betreiber stellt Schäden an dem Objekt fest. Ob der Geocacher dies nun zu verantworten hat oder nicht, ist unerheblich. Wie will er in dieser Position – beim Begehen einer unrechtmäßigen Tat – glaubhaft belegen, keinen Schaden verursacht zu haben? Darüber sollte sich auch jeder einzelne Geocacher klar werden, der solche fragwürdigen Geocaches versteckt und sucht. Da kann der Owner mehrmals glaubhaft versichert, dass er die Verantwortung übernimmt! In dieser Situation steht der Geocacher nämlich allein vor dem Betreiber oder den Ordnungshütern!

Dieser Appell wird sich sicherlich im Laufe der Bloggerei wiederholen, aber ich gebe die Hoffnung ja nicht auf, dass es einmal hilft: denkt beim Verstecken bereits daran, welche Auswirkungen das Versteck haben. In den Guidelines heißt es: „Selbst wenn Du Dir sicher bist, dass Geocaching auf bestimmtem öffentlichem Besitz erlaubt ist, solltest Du Dich versichern, dass die Verantwortlichen Deinen geplanten Cache wahrnehmen und ihre Erlaubnis zum Verstecken geben. Bekommt Groundspeak eine Information darüber, dass Dein Cache unerlaubterweise versteckt wurde, wird er vorübergehend deaktiviert oder für immer archiviert.“ und weiterhin: „Überlege Dir, wie der Behälter und die suchenden Geocacher von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Und: Geocaching ist ein familientauglicher Freizeitsport und kein Ersatz für fehlenden Nervenkitzel. Wer den „Kick“ braucht, möge diesen bitte beim Bungee-Jumpen oder sonstigen Extremsportarten suchen!

7 Gedanken zu „Dann musst Du tun, was Du tun musst!

  1. Bravo – hundertprozentige Zustimmung. *thumbsup*

    Und ganz nebenbei bin ich sehr froh über Deinen neuen Blog! Bekommt man nun doch endlich ausführliche Einblicke in die Arbeit von Euch Reviewern. Und man erhält die Bestätigung, dass Ihr Euch wirklich oft den Kopf zerbrecht bei Euren Entscheidungen. Das wird durch so einen ausführlichen Artikel viel deutlicher, als es in Deinen sonst eher kurzen „Seebären-Notes“ zu erkennen ist… 😉

    Danke & mach‘ bitte weiter so!

  2. Na was will der Owner denn?
    Manche begreifen es einfach nicht.
    Ich finde deine Vorgehensweise fair und sachlich. *daumenhoch*

    Was die Sockenpuppe damit bezweck, so halb-ikognito zu sein (und auch halb eben nicht) weiß nur sie allein. Aber das gehört hier nicht hin.

    Geocaching durchläuft zur Zeit meinem Gefühl nach einen extremen Wandel. Schneller und heftiger als noch vor 1-2 Jahren. Und dieser Wandelt gefällt mir mal so gar nicht.
    ERGO: ICH bin mit dafür verantwortlich, dass das Cachen weiterhin Freude macht; als Cacheowner ebenso wie als Suchender. Und das jeder entsprechend beherzigt, dann ist und bleibt es ein tolles Hobby (so, wie ich es einst kennen lernen durfte).

    Micha

  3. Mich würde ja interessieren, um welche Dose es sich handelt. Da wir hier nicht sonderlich beliebt sind, würde es mich nicht verwundern, wenn die Sockenpuppe einem unserem Namen ähnlichen trüge, um uns in Misskredit zu bringen. Da unsere einzige noch verbliebene Dose, nach mehrach-Sabotagen der anderen – nun in einem Parkhaus liegt, usw. frage ich mich, ob dies so ist, und wenn ja würden wir das dann gerne richtig stellen. Lieben Gruß. M&F.

  4. Ich denke bis jetzt haben „wir alle“ riesig Glück gehabt das noch nicht mehr passiert ist. Haftungsausschlüsse haben Grenzen, wenn es richtig knallt. Man stelle sich mal vor „durch einen Cache“ ob nun klettern, LP oder ähnliches wird jemand richtig schwer verletzt, oder sogar mehrere, und zwar so, das es richtig teuer wird, mit lebenslanger Pflege, Unterhalt für Familie usw.

    Werden Versicherungen und Anwälte nicht versuchen „mitschuldige“ zu finden, die haftbar gemacht werden können?

    Geht dann nicht die Jagd auf alle los die sich „anspornend“ verhalten haben? Im Log geschrieben haben wie geil es war? Favoriten Punkt vergeben?

    Und selbst wenn man den rechtlichen Standpunkt bei Seite lässt bleibt der moralische: „Wir alle“ die bei dem Cache „positiv gelogged“ haben, hätten dann dazu beigetragen, das sich ein überforderter Familienvater überschätzt und dadurch als Krüppel endet.

    Früher gabs Mutproben, heute ist das weniger offensichtlich, ist ja nur ein LP, ist doch gar nicht gefährlich, das hält schon, und die waren doch auch schon alle da, da müssen wir doch auch hin…

  5. Schön formulierter, sachlicher und aufklärender Bericht. Gerne mehr davon.
    Bis auf den letzten Satz kann ich den so unterschreiben (ich mach auch lieber Lost Places als Bungeejumps… 😉 ), deshalb will ich mich dazu auch gar nicht näher äußern.

    Aber eins noch. Ich kann mir vorstellen, dass Reviewer sein viele interessante Aspekte hat. Aber in solchen Momenten, wenn es unfreundliche Mails, uneinsichtige Owner, unvollständige Listings etc. gibt und ihr euch in eurer Freizeit mit Ärgernissen herumschlagen müsst tut ihr mir echt leid.
    Danke dafür dass ihr es trotzdem macht!

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